UNE JEUNESSE ALLEMANDE – EINE DEUTSCHE JUGEND


Premiere: Eröffnungsfilm Panorama Dokumente Berlinale 2015 am Freitag, den 06.02.2015 um 17:00 Uhr im CineStar 7

Weitere Screenings:
07.02.2015 – 12:00 Uhr – CineStar 7
08.02.2015 – 15:30 Uhr – Colosseum 1
15.02.2015 – 17:00 Uhr – CineStar 7

Ein Film von Jean-Gabriel Périot Frankreich/Schweiz/Deutschland 2015, 93 Minuten, Farbe/Schwarzweiß – 1,85:1 – 5.1 – Digital.

Jean-Gabriel Périot, der in seinen preisgekrönten Kurzfilmen Archivbilder aufwändig zu scharfen Kommentaren über Gewalt und Geschichte komponiert, präsentiert mit UNE JEUNESSE ALLEMANDE sein Langfilmdebüt: Seinen Blick auf die Bundesrepublik Deutschland in der RAF-Ära. Das Lehrstück in Radikalisierung und den gesellschaftlichen Reaktionen darauf ist beängstigend aktuell, wenn sich auch die Vorzeichen geändert haben.

Eine Produktion von Local Films, koproduziert von Alina Film und Blinker Filmproduktion in Koproduktion mit RBB/ARTE und RTS.
Entwicklung gefördert durch das MEDIA-Programm der EU, den Wettbewerb des Centre national des arts plastiques, Ministère de la Culture et de la Communication, DEFA Stiftung und EMARE / Werkleitz.
Produktion gefördert durch Euroimages, Centre National du Cinéma et de l’Image Animée im Verbund mit Indéfilms 3 und Developimage 2 unter Beteiligung von Ufo Distribution, Films Boutique und Films Distribution.

Im Verleih von wfilm http://www.unejeunesse.wfilm.de
W-film Distribution
Gotenring 4, 50679 Köln
www.wfilm.com

Copyright aller Pressebilder: W-film Distribution / Local Films


Andreas Baader während der Stürmung des Abgeordnetenhauses Berlin
(Quelle: RBB „Berliner Abendschau“, 15.9.1967)





Gudrun Ensslin bei Filmaufnahmen zu DAS ABONNEMENT von Ali Limonadi
(Quelle: SWR „Der politische Film im Filmfestival“, 12.1.1968)




Ulrike Meinhof, Kolumnistin der Zeitschrift „konkret“
in der Talk-Runde „Die ausgehöhlte Autorität“
(Quelle: SWR „Das Stuttgarter Gespräch“, 13.2.1967)



CREDITS

Regie, Buch & Montage: Jean-Gabriel Périot
Produzent: Nicolas Brevière, Local Films (F)
Koproduzenten: David Epiney, Alina Film (CH); Meike Martens, Blinker Filmproduktion (D)
Produktionsleitung & Archivrecherche: Emmanuelle Koenig
Redaktion: Christian von Behr, RBB/ARTE; Irène Challand und Gaspard Lamunière, RTS
Tonschnitt: Etienne Curchod
Mischung: Laure Arto-Toulot
Komposition: Alan Mumenthaler
Originalsprache: Deutsch, Französisch
Untertitel: Deutsch

Erstaufführung: 65. Internationale Filmfestspiele Berlin 2015, Panorama Dokumente


Ulrike Meinhof, Kolumnistin der Zeitschrift „konkret“
in der Talk-Runde „Bessere Demokraten oder Anarchisten?“
(Quelle: RBB „Forum“, 20.2.1968)


Studiengruppe DFFB mit Holger Meins
(Quelle: Filmausschnitt ES STIRBT ALLERDINGS EIN JEDER, FRAGT SICH NUR WIE UND WIE DU GELEBT HAST (Holger Meins) von Renate Sami, 1976)


Holger Meins bei der Eröffnung 1. Studienjahr DFFB
durch Willy Brandt
(Quelle: RBB „Berliner Abendschau“, 17.9.1966)

INHALT

UNE JEUNESSE ALLEMANDE – EINE DEUTSCHE JUGEND wirft einen Blick von außen auf die Bundesrepublik Deutschland der RAF-Ära. Der französische Filmemacher Jean-Gabriel Périot bietet jedoch keine einfachen Antworten oder gar Erklärungen an. Er montiert stattdessen ausschließlich Archivmaterial zu einem scharfen Kommentar über Gewalt und Geschichte. Sein Film dokumentiert den Konflikt zwischen Staat und RAF, der zugleich ein Krieg der Bilder war. Ein Krieg, der nicht nur in den Medien, sondern auch in der umtriebigen Filmszene hitzig diskutiert und kommentiert wurde: ob in DEUTSCHLAND IM HERBST (Regie: Rainer W. Fassbinder, Alexander Kluge u.a.), Antonionis ZABRISKIE POINT oder Klaus Lemkes DIE BRANDSTIFTER. Périot schneidet die Positionen kunstvoll gegeneinander zu einem vielstimmigen Kaleidoskop – darunter befinden sich zahlreiche kaum bekannte Studentenfilme und Reportagen, unter anderem von Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin und Holger Meins.


Dsiga Wertow Akademie
(Quelle: Wochenschau 2, Collectiv DFFB, Berlin)


Brennende Bild-Zeitung, Berlin
(Quelle: Filmausschnitt GEPLANTE VERGEUDUNG von Thomas Giefer, 1971)


Schlacht am Tegeler Weg, 4.11.1968
(Quelle: Filmausschnitt ROSTA Kino-Gruppe, 1968)

PRESSESTIMMEN

„Ein Lehrstück in Radikalisierung und den gesellschaftlichen Reaktionen darauf – beängstigend aktuell, wenn sich auch die Vorzeichen geändert haben.“
65. Internationale Filmfestspiele Berlin 2015

„Hohe Kunst der Montage“
„Jean-Gabriel Périot hat aus mehr als tausend Stunden Filmmaterial besondere Fundstücke nicht einfach chronologisch zusammengesetzt, sondern sehr gekonnt montiert. So gewinnt sein Film Aktualität, indem er feine Widersprüche herausarbeitet und einen neuen Blick eröffnet.“

Gastkritik von Andres Veiel, RBB radioeins Berlinale Talk, 6.2.2015

„Ein anderthalbstündiger Bilderbogen, dessen Stärke darin liegt, dass er diese schwabbelige Baader-Meinhof-Ästhetisierung, die man hierzulande diesem Thema oft angedeihen lässt, völlig hinter sich lässt. Stattdessen: ein distanzierter Blick von außen, grobkörnige Filmsequenzen, ohne Kommentar, ohne alles, die den Weg der Studentenbewegung in die Radikalisierung zeigen.“
Deutschlandradio Kultur, 10.2.2015

„Aufschlussreiche Reise in eine hochpolitisierte Zeit“
RBB Berlinale Studio, 6.2.2015

Weitere Informationen finden Sie im Presseheft.
Hier können Sie den Trailer sehen.


Filmausschnitt MACHEN WIR DEN TEGELER WEG ZUR KOCHSTRASSE
(Quelle: ROSTA Kino-Gruppe, 1968)


Studentenprotest
(Quelle: Filmausschnitt GEPLANTE VERGEUDUNG von Thomas Giefer 1971)


Filmausschnitt Kameraseminar dffb „FARBTEST ROTE FAHNE“ von Gerd Conrad, 1968

KOMMENTAR VON JEAN GABRIEL PÉRIOT

UNE JEUNESSE ALLEMANDE erzählt die Geschichte der RAF in Bildern und zugleich als eine Geschichte der Bilder. In meiner Recherche über die RAF habe ich über tausend Stunden Archivmaterial gesichtet. Mit meinem Film hole ich diese Bilder aus der Vergangenheit in unsere Gegenwart und organisiere sie neu zu einer subjektiven Montage. Dabei interessiert mich das, was über die offensichtliche Botschaft der Bilder und Töne hinausgeht. Die Widersprüche und die besondere Präsenz des Materials – wie es mich bewegt und verstört: das Timbre einer Stimme, ein Ausschnitt aus einem Studentenfilm voll Hoffnung und Elan, das Scheitern eines persönlichen Lebensweges, die Kälte einer blutbefleckten Realität oder die Stille von Trauer.

Indem ich ausschließlich Material nutze, das die Protagonisten selbst geschaffen haben oder das sie zeigt, umgehe ich auch ihre Psychologisierung, den Versuch, ihr Handeln zu erklären. Denn solche Analysen setzen zumeist eine mögliche Perspektive als absolut. So gibt es beispielsweise verschiedenste Interpretationen, warum Ulrike Meinhof zur RAF ging: Sie hatte eine Gehirn-OP, sie war depressiv, sie war von Andreas Baader angezogen usw. All diese Interpretationen können richtig oder falsch sein und bleiben dennoch immer unvollständig und maskieren, dass ihre Wahl der Gewalt letztlich unbegreiflich bleibt. Sie hat es einfach getan.

Dass ich auch den Mitgliedern der RAF durch ihre Kommentare, Reportagen und Filme eine Stimme gebe, schreibt zwar weder die Geschichte neu, noch sollen so die begangenen Verbrechen entschuldigt werden. Mein Anliegen ist es vielmehr, die Tür zu einer vollständigeren Diskussion zu öffnen über das Wesen der Taten und unserer eigenen Menschlichkeit. Dem Publikum begegnet in den „Echos“ der Vergangenheit ein Stück Geschichte, das die BRD wesentlich mitgeprägt hat und das bis heute essentielle Fragen aufwirft: Wie ist es möglich, Gewalt zu vermeiden und zu verweigern? Wie ist es weiter möglich an Kultur und Kunst zu glauben als Weg, der Einseitigkeit und Radikalisierung zu entkommen? Fragen, die immer noch die unseren sind.


Filmausschnitt GREEN BERET von Carlos Bustamante, 1969
(Quelle: DFFB, Berlin)


Studentenprotest „Freiheit für Fritz Teufel“ an der FU Berlin mit Horst Mahler
(Quelle: RBB „Zur Behandlung einer Minderheit“, 15.6.1967)



BIOGRAFIE


Jean-Gabriel Périot


Jean-Gabriel Périot, geboren 1974 in Bellac, Frankreich,
studierte Visuelle Kommunikation und absolvierte ein
einjähriges Praktikumam Centre Pompidou. Er arbeitet
als Videokünstler, Kameramann, Cutter und Regisseur.

Beim Schneiden von Archivmaterialentwickelt er einen ganz eigenen Stil. Die meisten seiner Werke, angesiedelt zwischen Dokumentar-, Animations- und experimentellem Film, erzählen von menschlicher Gewalt und Erinnerung. Seine Kurzfilme wurden weltweit auf zahlreichen Festivals und Retrospektiven gezeigt und mit Preisen ausgezeichnet. „Une Jeunesse Allemande“ ist sein Langfilmdebüt.

FILMOGRAFIE

2015: UNE JEUNESSE ALLEMANDE – EINE DEUTSCHE JUGEND
2014: SI JAMAIS NOUS DEVONS DISPARAITRE CE SERA SANS INQUIÉTUDE MAIS EN COMBATTANT JUSQU’À LA FIN (Kurzfilm)
2014: WE ARE BECOME DEATH (Kurzfilm)
2013: L’OPTIMISME (Kurzfilm)
2013: LE JOUR A VAINCU LA NUIT (Kurzfilm)
2012: THE DEVIL (Kurzfilm)
2011: LOOKING AT THE DEAD (Kurzfilm)
2010: LES BARBARES (Kurzfilm)
2009: L’ART DÉLIQAT DE LA MATRAQUE (Kurzfilm)
2008: ENTRE CHIENS ET LOUPS (Kurzfilm)
2007: NIJUMAN NO BOREI (Kurzfilm)
2006: EUT-ELLE ÉTÉ CRIMINELLE … (Kurzfilm)
2006: UNDER TWILIGHT(Kurzfilm)
2005: UNDO (Kurzfilm)
2005: DIES IRAE (Kurzfilm)
2004: WE ARE WINNING, DON’T FORGET(Kurzfilm)
2002: AVANT J’ÉTAIS TRISTE(Kurzfilm)
2002: 21.04.02 (Kurzfilm)
2001: JOURNAL INTIME (Kurzfilm)
2001: GAY ? (Kurzfilm)